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Idealtypischer Ablauf einer Systemkrise im Bankensektor mit Überleitung der Krise von der Finanzwirtschaft zur Realwirtschaft

Idealtypischer Ablauf einer Systemkrise im Bankensektor

Idealtypischer Ablauf einer Systemkrise im Bankensektor

Vertrauenskrise bei einer Einzelbank

Die Anbahnung einer Systemkrise im Bankensektor beginnt mit einer Vertrauenskrise in ein einzelnes Finanzinstitut. Der Auslöser für einen massiven Vertrauensverlust in eine einzelne Bank kann dabei entweder auf Fakten oder auf Gerüchten beruhen.

Als die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 infolge der Finanzkrise Insolvenz beantragen musste, verloren gleichzeitig viele kleine Individualanleger von Regionalbanken, wie beispielsweise den Sparkassen und Volksbanken, ihr Vertrauen in diese Finanzinstitute und hoben konzentriert ihre Einlagen bzw. Sparguthaben ab, um ihr "Geld in Sicherheit zu bringen". Insbesondere in den europäischen Peripherieländern bildeten sich lange Schlangen vor den Bankschaltern und Bankautomaten, sodass stellenweise Banken einige Tage geschlossen oder Barabhebungen auf einen bestimmten Betrag limitiert wurden.

Liquiditätskrise bei einer Einzelbank

Da Banken das Geld ihrer Anleger zur Kreditvergabe oder zu Wertpapiergeschäften nutzen, führten diese massiven Einlagenabzüge bei den Finanzinstituten zu einem erheblichen Liquiditätsengpass. Damit diese angeschlagenen Institute nun nicht ein Insolvenzverfahren wegen drohender oder bereits bestehender Illiquidität einleiten müssen (und somit im schlimmsten Fall der Totalverlust der Einleger und Sparer), versuchen sie bestimmte Vermögenspositionen (Kreditverbriefungen oder andere Wertpapiere wie Aktien) zu veräußern, um mit den gewonnen liquiden Mitteln den Ansturm der Einleger befriedigen zu können (Insolvenzabwehr).

Solvenzkrise bei einer Einzelbank

Der plötzlich entstehende "Fire Sale" führt zu Veräußerungen unterhalb des eigentlichen Marktpreises, weil nicht genügend Zeit bleibt, um die "richtigen" Käufer zu finden. Dadurch gerät die Bank in eine Solvenzkrise, welche dazu führt, dass sie nicht nur die Barabhebungswünsche ihrer Einleger und Sparer, sondern zusätzlich die Verbindlichkeiten am Interbankenmarkt nicht fristgerecht und in richtiger Höhe erfüllen kann. Das bedeutet, die Bank ist nicht in der Lage, das von anderen Banken geliehene Geld zurückzuzahlen.

Liquiditätskrise weiterer, vernetzter Banken

Dieser Zahlungsausfall bzw. diese Zahlungsverzögerung führt über den Interbankenmarkt zur Liquiditätskrise weiterer, vernetzter Banken. Diese hatten ihrerseits die fristgerechte Rückzahlung ihrer Forderungen eingeplant, um ihre Verbindlichkeiten und laufenden Ausgaben zu decken.

Solvenzkrise weiterer, vernetzter Banken

Je nach Ausmaß der Interbankenkreditausfälle sind nun auch diese weiteren, vernetzten Banken gezwungen, plötzlich Vermögenspositionen aufzulösen. Dadurch wird der "Fire Sale" einzelner Institute nun im gesamten Markt verstärkt, was zu erheblichen Kurseinbrüchen an den Wertpapier- und Aktienbörsen führt.

Krise im gesamten Bankensystem und Überleitung der Krise von der Finanzwirtschaft zur Realwirtschaft

Das fehlende Vertrauen zwischen Banken und Anlegern, sowie das herrschende Misstrauen (über die Bonität und Solvenz) der Finanzinstitute untereinander, führt zum Erliegen des Interbankenmarktes und bedroht somit die Fähigkeit der Kreditvergabe zur Realwirtschaft.

Durch die fehlende Refinanzierung von Unternehmen (Kreditklemme) bzw. durch die deutlich höheren Risiko- und Liquiditätsprämien (steigende Kreditkosten) kommt die Wirtschaft nach und nach zum Erliegen.

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