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Finanzintermediäre

Ein Finanzintermediär ist eine mögliche Schnittstelle zwischen Kapitalanbietern und Kapitalnachfragern.

Ein Kapitalanbieter verfügt über finanzielle Überschüsse, die er derzeit nicht benötigt und somit gegen einen Zinstribut zur Verfügung stellen möchte.
Ein Kapitalnachfrager benötigt finanzielle Mittel, z. B. für Investitions- oder Konsumzwecke, und ist bereit, ein Entgelt für die Liquiditätsüberlassung zu entrichten.

Zwischen Kapitalanbietern und Kapitalnachfragern bestehen mögliche Friktionen, welche die Interaktion erschweren oder gar verhinhern. Mögliche Friktionen sind:

  1. Quantität: angebotene und nachgefragte Menge der finanziellen Mittel stimmen nicht überein
  2. Qualität: gewünschter und tatsächlicher Risikograd weichen voneinander ab
  3. Zeit: Der angebotene und benötigte Zeitraum der Überlassung von finanziellen Mitteln decken sich nicht
  4. Ort: Kapitalanbieter und Kapitalnachfrager, respektive ihre finanziellen Mittel, sind räumlich getrennt, wodurch ein räumlicher Transfer stattfinden muss

 

Die traditionelle Begründung

Die traditionelle Begründung von Finanzintermediären ist es folglich, genannte Friktionen auf den Finanzmärkten zu überbrücken, sodass Finanztransaktionen erleichter oder überhaupt erst ermöglicht werden. Dazu nehmen sie Kapital von den Anlegern entgegen und stellen dieses den Kapitalnehmern zur Verfügung. Solche Finanzintermediäre sind beispielsweise Banken.

Nach der Funktionsbeschreibung von Süchting hat eine Bank 4 grundlegende Funktionen:

  1. Deponierung von Einlagen
  2. Transport im Zahlungsverkehr
  3. Umtausch von Währungen und Größenordnungen
  4. Zurverfügungstellung von Kapital durch das Kreditgeschäft

Die wesentliche Voraussetzung dafür ist eine umfassende Beratung durch die Banken. Ziel ist die Beseitigung von Friktionen im Geldstrom (Commercial Bank).

 

Die neue Informations- und Institutionenökonomik

Die neue Informations- und Institutionenökonomik geht über den klassischen Ansatz zur Begründung von Finanzintermediären hinaus und liefert weitere Einsichten in die Existenzbegründung von Finanzintermediären. Die 2 wesentlichen Ansatzpunkte sind hierbei:

  1. Transaktionskosten
  2. Informationsverteilungen

Transaktionskosten sind Kosten für Markthandlungen. Alle Kosten, die vor, während und nach einer Transaktion entstehen und vom ursprünglichen Zweck der Transaktion unabhängig sind, bezeichnet man als Transaktionskosten.

Stellen wir uns eine Finanztransaktion zwischen einem Kapitalanbieter und einem Kapitalnachfrager vor. Bevor beide voneinander wissen, dass es sie gibt, entstehen bereits Kosten für die Anbahnung der Transaktion. Dies könnte beispielsweise eine Annonce "habe 5.000 Euro zu verleihen" sein. Kommen Kapitalanbieter und Kapitalnachfrager im nächsten Schritt zusammen, entstehen Kosten für die Verhandlung und Vereinbarung über mögliche Konditionen. Das beansprucht vor allem kostbare Zeit. Können sich beide Parteien einigen - es ist also ein verbindlicher Vertrag zustande gekommen - dann folgt die Abwicklung. Finanzielle Mittel müssen transferiert werden; Rückzahlungen (Zins- und Tilgungszahlungen) müssen quantitäts- und fristgerecht kontrolliert werden. Schlussendlich können bestehende Verträge angepasst oder verändert werden.

Diese Informations- und Kommunikationskosten (als Teil von Transaktionskosten) vervielfachen sich mit zunehmender Anzahl von Kapitalanbietern und Kapitalnachfragern (n x m) drastisch. Hier setzen die Transaktionskostenansätze an. Sie stellen eine Existenzberechtigung von Finanzintermediären (Banken) auf mögliche Transaktionskostenersparnisse ab. Dabei spricht man von 2 möglichen Einsparungspotentialen:

  1. Economies of Scale:
    Mit zunehmender Anzahl der intermediierten Transaktionen sinken die Stückkosten je Transaktion aufgrund von folgenden 3 Aspekten:
    • Fixkostendegression:
      Fixe Kosten werden auf eine steigende Anzahl von Transaktionen verteilt, sodass der Fixkostenanteil je Transaktion sinkt
    • Lernkurveneffekt:
      Bei häufiger Wiederholung gleicher oder ähnlicher Aktivitäten werden Fehler ausgebessert und interne Prozesse optimiert
    • Marktvorteile:
      Aufgrund von wachsender Marktmacht können günstigere Konditionen ausgehandelt und durchgereicht werden
  2. Economies of Scope:
    Dies sind die Kostenersparnisse, bei denen (viele) verschiedene Produkte und Dienstleistungen aus einem (zusammengehörigen) Hause angeboten werden. Man bezeichnet dies auch als Syngergieeffekte, weil eventuelle Schnittstellenkosten oder zusätzliche Fixkosten verringert bzw. vermieden werden können.

Zu beachten ist dabei, dass von einer Prämisse von gleichen Wissensstand aller Parteien ausgegangen wird. Das bedeutet, dass Informationen symmetrisch verteilt sind.

 

Da de facto immer (!) Informationsasymmetrien bestehen, geht ein weiterer Erklärungsansatz zur Existenzberechtigung von Banken beim Abbau asymmetrischer Informationsverteilungen aus, infolgedessen Kostensenkungen eintreten.

Aber was sind asymmetrische Informationsverteilungen?

Hier unterscheidet man 2 Arten, nämlich vor und nach Vertragsabschluss. Vereinfacht ausgedrückt spricht man von "adverse selection" (falsche Auswahl) vor Vertragsabschluss und von "moral hazard" nach Vertragsabschluss. Zu erstgenannten gehören z. B. falsche Einschätzungen über die Bonität der Kapitalnehmer. Zum letztgenannten gehört z. B. die Gefahr eines Betrugs, dass Rückzahlungen (Zins- und Tilgungszahlungen) nicht beabsichtigt sind.

Wichtig zu nennen ist, dass nicht alles vertraglich geregelt werden kann und nicht alles vertraglich Geregelte einklagbar bzw. durchsetzbar ist, oder wenn, dann mit (enormen) zeitlichen Verzögerungen.

 

Diese zusätzlichen Ansätze ermöglichen jetzt eine Existenzbegründung von Finanzintermediären im weitesten Sinne: Banken, Börsen, Bonitätsauskunfteien, Ratingagenturen, etc.

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