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Grundlegende Unterschiede zwischen HGB und IFRS

Grundsätzlich ist der Einzelabschluss nach HGB für alle Unternehmen in Deutschland verpflichtend, da jedes Unternehmen den Einzelabschluss nach diesen Richtlinien erstellen muss.
Daneben ist die Aufstellung eines zusätzlichen Einzelabschlusses nach IFRS Rechnungslegung, zu weiteren Informationszwecken, freiwillig möglich.

Auf der Ebene des Konzernabschluss ist der Abschluss für alle kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen nach IFRS vorgeschrieben. Allen nicht kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen steht es frei ihren Abschluss entweder nach HGB- oder IFRS Rechnungslegung zu erstellen.

Unterschiede in den Funktionen der Abschlüsse

Die IFRS Rechnungslegung dient dem übergeordneten Zweck der „Fair Presentation“. Das bedeutet, dass Vermögenswerte und Schulden generell  zu Marktwerten („Fair Value“) bilanziert werden können (Neubewertungsverfahren), um die Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage eines Unternehmens möglichst genau darzustellen.

Somit dient der Abschluss nach IFRS lediglich der Informationsfunktion. Die Blianzierungsart der IFRS ist gänzlich nach den Informationsbedürfnissen der Eigen- und Fremdkapitalgeber ausgerichtet. Informationen, die für diese Gruppen, aufgrund ihrer hohen Involvierung in das Unternehmen, interessant sind, sollen demnach automatisch für alle sonstigen Interessierten nützlich sein.

Im Gegensatz dazu gilt im HGB das „Vorsichtsprinzip“. Dieses soll insbesondere die Gläubiger des Unternehmens vor Zahlungsausfällen schützen. Neben der reinen Informationsfunktion, hat der HGB Abschluss auch eine Dokumentations- und eine Ausschüttungsbemessungsfunktion. Der Einzelabschluss nach der HGB ist zudem maßgeblich für die Steuerbilanz des Unternehmens. Der HGB Abschluss richtet sich nicht lediglich an Eigen- und Fremdkapitalgeber, sondern letztlich an alle, die in irgendeiner Form mit den Unternehmen interagieren, sowie an die interessierte Öffentlichkeit. (Ausführlich unter „Einzelabschluss nach HGB“ ).

Anwendung in der Praxis

Der unterschiedliche Umfang der beiden Werke, lässt wesentliche Unterschiede an der Detailtiefe der Regelungsvorschriften vermuten.

Im HGB sind nur die wesentlichsten Vorschriften und Defintionen enthalten. Daher ist es in der Praxis häufig notwendig, sich bei Auslegungsfragen, an weiteren Quellen, wie etwa Gerichtsentscheidungen zu den jeweiligen Themengebieten, weiter zu informieren. Dies stellt einen nicht zu unterschätzenden Aufwand dar. Das HGB wird zudem nur aus besonderem Anlass auf aktuelle Problemstellungen der Rechnungslegung angepasst; die letzte große Umgestaltung des HGB fand 2009 mit der Verabschiedung von „BILMOG“ statt. Darüber hinaus sind einige Sachverhalte, vergleichsweise die Bilanzierung von Leasing, nicht in den HGB Vorschriften enthalten.

Die IFRS werden fortwährend überarbeitet, sofern  in der Praxis Probleme auftauchen. Jede Vorschrift stellt dabei ein eigenes Thema dar ( beispielsweise IAS 16 befasst sich mit Sachanlagen). In diesen werden anfangs wesentliche Begriffe definiert und erläutert. Im weiteren Verlauf, ebenfalls nach Themen geordnet, werden die Vorschriften zu den jeweiligen Sachverhalten genannt. Die IFRS sind daher, trotz des beträchtlichen Umfangs, übersichtlich gehalten.

Ein weiterer Bestandteil des IFRS- Regelungswerkes, bilden die Interpretationen (SIC oder IFRIC), in denen die Vorschriften an aktuelle Probleme angepasst oder eventuelle Missverständlichkeiten in den einzelnen Standards korrigiert werden.

Es ist dabei zu beachten, dass die IFRS- Regelungen innerhalb der EU keine unmittelbare Rechtskraft besitzen, sondern erst in einem Endorsement-Verfahren legitimiert werden müssen.

Wesentliche Unterschiede in der Anwendung

In den IFRS besteht ein Ansatzverbot für Rückstellung aufgrund unterlassener Instandhaltung (Nach HGB ist diese innerhalb von drei Monaten nach Beendigung des Geschäftsjahr verpflichtend anzusetzen).

Abweichend dem HGB existiert in den IFRS ein sogenanntes „sonstiges Ergebnis“ (OCI – other comprehensive income), in dem bestimmte Sachverhalte, im Unterschied zum HGB, GuV-neutral  und damit direkt gegen das Eigenkapital gebucht werden.

Dieser Umstand kann zu deutlichen Unterschieden in den Bilanzkennzahlen der verschiedenen Abschlüsse führen.

Es gibt drei Situationen, in denen das OCI angewendet wird:

  1. Bei Pensionsrückstellungen anfallende versicherungsmathematische Gewinne und Verluste (siehe Pensionsrückstellung nach IFRS).

  2. Bei Anwendung des Neubewertungsverfahren (Nur bei Gewinnen gegenüber dem Buchwert; Verluste werden wie im HGB als Aufwand GuV- wirksam verrechnet).

  3. Bei diversen Finanzinstrumenten (Behandlung von Cashflow-Hedges, Zeitwertänderungen von Wertpapieren, die in der Kategorie „available for sale“ gehalten werden, sowie Gewinne und Verluste aus Wechselkursumrechnungen bei der Kapitalkonsolidierung).

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