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Übungsaufgaben zu latenten Steuern Teil 3

         Übungsaufgaben zu latenten Steuern Teil 3

Aufgabe 1:

Prüfen Sie in folgenden Geschäftsvorfällen ob latente Steuern angesetzt werden müssen. Geben Sie die Buchungssätze von Periode 1 und 2 an. Das Unternehmen hat einen Ertragssteuersatz von 50 %. Sollten aktive latente Steuern anfallen sind diese auch zu bilanzieren.

  1. Vorräte: Aufgrund eines deutlich gesunkenen Marktpreises in Periode 1 wird eine, voraussichtlich vorübergehende, Wertminderung in Höhe von 100.000 € vorgenommen. In Periode 2 steigt der Marktpreis tatsächlich wieder auf die Höhe des alten Marktwertes und das Unternehmen nimmt daher eine Wertzuschreibung vor.

Lösung 1)

Periode 1: Nach HGB § 253 (4) besteht bei vorübergehender Wertminderung eine Abschreibungspflicht, im Steuerrecht hingegen ein Abschreibungsverbot [§ 6 (1)]. Der Vermögensgegenstand „Vorräte“ ist daher in der Handelsbilanz niedriger bewertet = somit sind aktive latente Steuern zu bilanzieren. Somit betrifft der Geschäftsvorfall ausschließlich die Handelsbilanz.

Buchungssätze:

Handelsbilanz: sonstiger betrieblicher Aufwand (Abschreibungsaufwand) an Vorräte 100.000 €

Aktive latente Steuern  an Steuerertrag 50.000 €

Steuerbilanz: entfällt, da keine Veränderung

Periode 2:  Da nun der Grund für die vorübergehende Wertminderung entfällt, besteht nach HGB nun ein Wertaufholungsgebot [HGB § 253 (4)]. Zudem sind die aktiven latenten Steuern aufzulösen. Die Steuerbilanz bleibt weiterhin unverändert.

Buchungssätze:

Handelsbilanz: Vorräte                     an      sonstiger betrieblicher Ertrag 100.000 €

                        Steueraufwand         an     aktive latente Steuern 50.000 €

  1. Rückstellung: Eine langfristige Rückstellung wird in Periode 1 gebildet. Die Höhe des diskontierten Erfüllungsbetrages beträgt 140.000 €. Im Steuerrecht ist dieselbe Rückstellung mit 180.000 € zu veranschlagen, da dort ein niedriger Diskontierungszins verwendet wird.

Lösung 2): In dieser Aufgabe ist nur Periode 1 relevant, da keine Aussage darüber getroffen wurde wann die Rückstellung aufgelöst wird und dieser Teil somit nicht zur Aufgabenstellung gehört. Es handelt sich hierbei um eine quasi - temporäre Differenz, da mit Eintreffen des Rückstellungsgrunds oder Auflösung der Rückstellung die unterschiedliche Bemessung von Handels- und Steuerbilanz verschwindet.

In der Steuerbilanz wird die Verbindlichkeit (dabei handelt es sich ja bei einer Rückstellung) somit höher bewertet wie in der Handelsbilanz. Damit sind passive latente Steuern zu bilanzieren (unabhängig von der Aufgabenstellung ist der Ansatz von passiven latenten Steuern verpflichtend). Der Unterschiedsbetrag ist dabei für die Höhe der anzusetzenden latenten Steuer ausschlaggebend.

Buchungssätze:

Handelsbilanz:  sonstiger betrieblicher Aufwand  an  Rückstellung 140.000 €

                        Steueraufwand  an  passive latente Steuern 20.000 € (40.000 €* 50%)

Steuerbilanz:    sonstiger betrieblicher Aufwand an  Rückstellung 180.000 €

  1. Aufsichtsratvergütungen: In Periode 1 fallen 80.000 € für Aufsichtsratsvergütungen an. Diese werden beim Unternehmen unter „sonstiger betrieblicher Aufwand“ verbucht.

Lösung 3) Auch hier ist nur Periode 1 relevant. Im Steuerrecht sind Aufsichtsratvergütungen grundsätzlich nur mit 50 % des Betrags anzusetzen.  Die unterschiedliche Bemessung ist dauerhaft (die einzige Möglichkeit wäre eine Gesetzesänderung). Es handelt sich um eine permanente Differenz.  Somit dürfen keine latenten Steuern bilanziert werden.

Buchungssätze:

Handelsbilanz: sonstiger betrieblicher Aufwand an Bank 80.000 €

Steuerbilanz:   sonstiger betrieblicher Aufwand an Bank 40.000 €

  1. Entwicklungsaufwand: In Periode 1 aktiviert das Unternehmen den Entwicklungsaufwand in Höhe von 100.000 € für ein selbsterstelltes Patent dessen voraussichtliche Nutzungsdauer ein Jahr beträgt (Periode 2).

Lösung 4):

Periode  1: Nach HGB § 248 (2) besteht ein Aktivierungswahlrecht für Entwicklungsaufwand, das hier auch ausgeübt wird. Im Steuerrecht hingegen gibt es ein Aktivierungsverbot. In der Steuerbilanz wird dieser Vorfall dementsprechend als Aufwand verbucht. So ist der Vermögenswert in der Handelsbilanz höher als in der Steuerbilanz und somit müssen passive latente Steuern bilanziert werden.

Buchungssätze:

Handelsbilanz: Entwicklungsaufwand  an  Diverse Aktiva 100.000 € (Sammelbegriff für verschiedene Aktivposten)

Selbst geschaffene Immaterielle Vermögensgegenstände  an  Entwicklungsaufwand 100.000 €.

Steueraufwand  an  passive latente Steuern 50.000 €

Steuerbilanz: Entwicklungsaufwand  an  diverse Aktiva 100.000 €

Periode 2:

Das Patent ist in der Handelsbilanz nun komplett abzuschreiben. Zusätzlich ist die latente Steuer aufzulösen. Die Steuerbilanz wird nicht beeinflusst, da dort der Geschäftsvorfall bereits vollständig erfasst wird.

Buchungssätze:

Handelsbilanz: sonstiger betrieblicher Aufwand (Abschreibungsaufwand)    an    selbsterstellte IVG. 100.000 €

Passive latente Steuern            an         Steuerertrag 50.000 €

Steuerbilanz: entfällt.



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