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Jahresabschluss Übung zu Rückstellungen (HGB § 249) Teil 1

        Jahresabschluss Übung zu Rückstellungen (HGB § 249) Teil 1

 

  1.  a) Was ist der Unterschied zwischen Rückstellungen und Verbindlichkeiten?

           b) Für welche Sachverhalte sind Rückstellungen zu bilden?

           c) In welcher Höhe sind Rückstellungen im Allgemeinen anzusetzen?

 

Lösung:

1 a) Als Verbindlichkeiten gilt eine künftige wirtschaftliche Belastung zu der das Unternehmen mit juristischen Mitteln gezwungen werden kann, deren Wert eindeutig quantifizierbar ist und die zum Abschlusszeitpunkt eine wirtschaftliche Belastung für das Unternehmen darstellen.

Als Rückstellungen gilt dagegen eine künftige wirtschaftliche Belastung, die hinsichtlich Eintritt, Höhe und Zeitpunkt noch unsicher ist, aber mit ausreichender Wahrscheinlichkeit erwartet wird. Der Ansatz von Rückstellungen ist im § 249 HGB geregelt. Rückstellungen können sowohl für Innen- als auch für Außenverpflichtungen erstellt werden.

Die Existenz, Höhe und Fälligkeit von Rückstellungen steht im Unterschied zu Verbindlichkeiten demnach nicht vollständig fest.

 

b) Nach HGB § 249 sind für folgende Sachverhalte verpflichtend Rückstellungen zu bilden:

1.Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften

2. Ungewisse Verbindlichkeiten

3. Pensionen, Anwartschaften und ähnliche Verpflichtungen aus Zusagen nach dem 1.1.1987

4. Gewährleistung ohne rechtliche Verpflichtung

5. Abraumbeseitigung (im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt)

6. Unterlassene Instandhaltung (in den ersten 3 Monaten des folgenden Geschäftsjahres nachgeholt)

 

Für folgenden Posten besteht ein Wahlrecht

7.Pensionen und Anwartschaften aus Zusagen vor dem 01.01.1987

Wichtig zu beachten ist dabei, dass sich Bewertungsansätze in HGB und Steuerrecht mit Ausnahme von 1. (Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften) gleichen. Dort besteht eine Pflicht zur Bildung einer Rückstellung im HGB, jedoch ein Ansatzverbot im Steuerrecht. Eine Rückstellungsbildung führt hier demnach immer zur Bildung von latenten Steuern.

Um eine Rückstellung bilden zu können muss der Eintritt des Sachverhalts nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung hinreichend sicher sein (mindestens 50 %).

 

c) Gemäß § 253 (1) HGB sind Rückstellungen mit dem nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung geschätzten Erfüllungsbetrag zu bewerten. Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sind mit einem ihrer Restlaufzeit entsprechenden, durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre abzuzinsen.

 

  1. Eine Baufirma überlegt in ihrem Jahresabschluss Ende 2013 ob sie Rückstellungen für ein abgeschlossenes Bauprojekt bilden muss. Dort entsteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Garantieverpflichtung in Höhe von 300 T€ und wird am Anfang des nächsten Geschäftsjahres anfallen. Zudem ist die Firma aufgrund von hohem Konkurrenzdruck in der Baubranche gezwungen, zusätzlich Kulanzleistungen zu erbringen. Das Management schätzt dabei zwei verschiedene Szenarien.

Möglichkeit A Eintrittswahrscheinlichkeit 40%

Möglichkeit B Eintrittswahrscheinlichkeit 60%

20 T€

30 T€

Die Kulanzleistung würde nach drei Jahren nach Abschlusszeitpunkt des Projekts anfallen. Der durchschnittliche Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre beträgt 5%.

a) Sind die Passivierungsvoraussetzungen für die Garantie- und die Kulanzrückstellung erfüllt?

b) Bestimmen Sie die Höhe der anzusetzenden Rückstellungen. Geben Sie zudem die Buchungssätze an. Sollten Latente Steuern anfallen müssen diese hier nicht berücksichtigt werden.

 

Lösung:

2 a) Garantierückstellung:

1. Bestehen oder zukünftiges Entstehen einer dem Grunde und/oder der Höhe nach ungewissen Verbindlichkeit (+)

2. Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme (+)

3. Rechtliche Vollentstehung oder der wirtschaftliche Verursachung vor dem Bilanzstichtag (+)

4.Keine aktivierungsfähigen Ausgaben (+)

 

Kulanzrückstellung:

1. Bestehen oder zukünftiges Entstehen einer dem Grunde und/oder der Höhe nach ungewissen faktischen Verbindlichkeit (+ Aufgrund des starken Konkurrenzdrucks als verpflichtend einzustufen)

2. Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme (+)

3. Wirtschaftliche Verursachung vor dem Bilanzstichtag (+)

4. Keine aktivierungsfähigen Ausgaben (+)

5.Zusammenhang zwischen Kulanzleistung und vormals erbrachten Leistungen (+)

Sowohl für die Garantierückstellung als auch die Kulanzrückstellung müssen demnach gebildet werden.

 

b) Die Garantiefrist beträgt weniger als zwölf Monate. Demnach ist keine Diskontierung erforderlich. Die Garantierückstellung erfolgt daher in der Höhe von 300 T€.

Die Kulanzrückstellung kann, da in der Aufgabe nichts genaueres verlangt wurde, auf zwei verschiedene Arten berechnet werden. Es kann entweder der Wert aus der Möglichkeit mit der höheren Wahrscheinlichkeit verwendet werden = 30T€, oder es ist ein Erwartungswert der beiden Möglichkeiten zu bilden = 0,4 * 20 T€ + 0,6 * 30 T€ = 26 T€.

Gemäß § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB sind Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr mit einem ihrer Restlaufzeit entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre (hier 5%) abzuzinsen.

Bei einem voraussichtlichen Eintritt nach drei Jahren beträgt die Höhe der Kulanzrückstellung demnach 30 T€ * 1.05^-3 = 25,92 T€ (bzw. 22,46 T€ wenn der Erwartungswert verwendet wird).

Höhe der Rückstellung: 300 T€ + 25,92 T€ = 325,92 T€

Buchungssatz (Betrag in T€):

sonstiger betrieblicher Aufwand         an         Rückstellung     325,92 T€

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